tb kalchrain3.jpg

Domäne Kalchrain Berghof TG SG

Domäne Kalchrain Berghof TG

Projektierung und Realisierung | 2021 - 25 | Studienauftrag auf Einladung |  1. Rang | Auftraggeber Kanton Thurgau

 
 
 
 
 

Nach dem verheerenden Brand von 2020, bei dem der ursprüngliche Schweinestall des Massnahmenzentrums Kalchrain vollständig zerstört wurde, durften wir den Neubau eines zukunftsweisenden Offenfrontstalls planen und realisieren. Der neue Stall bietet optimalen Raum für die Kälber der Milchviehherde sowie für Pferde und verbindet funktionale Landwirtschaft mit ökologisch nachhaltiger Architektur.

Die klare, flexible Holzkonstruktion ermöglicht eine wirtschaftliche Nutzung und minimiert langfristige Unterhaltskosten. Ergänzt wurde der Stall durch ein Nebengebäude mit Personalräumen, Stallbüro sowie einer integrierten Technik- und Energiezentrale. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie die Einbindung einer Jauchegrube als Zwischenlager für die regionale Biogasanlage unterstützen den energieeffizienten Betrieb.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Auszug aus dem Jurybericht:

Das Projekt richtet den neuen Stall mit der offenen Front nach Südosten aus. Es berücksichtigt die Wind- und Witterungseinflüsse sowie die Aspekte der Besonnung, womit gute Voraussetzungen für eine tierfreundliche Haltung geschaffen werden. Das längliche und stützenfreie Volumen ist als zweibündige und mittig in der Längsrichtung durchfahrbare Stallstruktur quer zur Hangneigung in die Landschaft gesetzt. Weil nur ein leichtes Längsgefälle zu überwinden ist, wird die Stellung, die mit dem horizontalen First des Satteldachs klar markiert wird, als selbstverständlich und landschaftsverträglich wahrgenommen. [...]

[...] Das neue Ökonomiegebäude ist als hybrides Tragwerk konzipiert. Eingespannte Betonpfeiler tragen eine Binderkonstruktion aus Holz. Die Längsaussteifung wird über Holzstreben und bei der offenen Front über Sturzträger aus beton erzielt. Die horizontale Aussteifung wird mit einer Dreischichtplatte im Verbund mit sparrenartigen Pfettenbalken erzielt. Für die Dachhaut wird eine abgestufte Unterkonstruktion für eine schuppenartige Eindeckung mit Welleternit oder Photovoltaikpaneelen konstruiert. [...] Sehr überzeugend ist die Ausbildung der Dachhaut, die bezüglich der Einbindung von PV-Anlagen in die Erscheinung von Landwirtschaftsbauten eine leise, aber umso kultiviertere Innovation darstellt.

Der Beitrag ist ein sehr sorgfältiges und präzises Projekt. Es zeugt von einer vertieften Auseinandersetzung mit den heutigen Anforderungen an Schutzbehausungen für Nutztiere. Die Selbstverständlichkeit der landschaftsräumlichen Positionierung setzt sich im Inneren mit einer nachhaltigen Strukturierung der Funktionen und Konstruktionen fort. Der besonderen Art der Nutzung, die sich im Spannungsfeld von Massnahmenvollzug und landwirtschaftlicher Produktion bewegt, wird auf engagierte und kompetente Weise Rechnung getragen. Mit seiner Klarheit bildet es eine sehr gute Grundlage für die Weiterentwicklung zu einem gelungenen Bauwerk.

 

Bauingenieur
Ingenieurbüro Gudenrath AG, Ziegelbrücke

Elektroingenieur
etb Elektroplanung GmbH, Amriswil

HLKS-Ingenieur
Amstein + Walthert AG, Frauenfeld

Tiefbauingenieur
bha team ingenieure ag, Frauenfeld

Bauphysik
Raumanzug GmbH, Zürich

Fotografien
Gautschi Editions, Schönenwerd / Andreas Buschmann, Zürich